Was ist ein Translation Memory?

Übersetzerin mit Translation Memory

Ein Translation Memory (kurz TM genannt) ist eine linguistische Datenbank, in der Übersetzungen gesammelt und gespeichert werden, damit sie für zukünftige Arbeiten zur Verfügung stehen.

Wann ist die Verwendung von Translation-Memory-Systemen sinnvoll?

Der Einsatz von Translation-Memory-Systemen ist immer dann sinnvoll, wenn gleiche oder ähnliche Sätze in verschiedenen Dokumenten verwendet werden. Egal, ob es sich um Produktkataloge, Newsletter, Vertriebsmaterialien, Webseiten, Betriebs- und Montageanleitungen, Support-Informationen für Kunden oder andere Textsorten handelt:

Ohne Einsatz eines Translation Memorys müssten dieselben Sätze immer wieder neu übersetzt werden. Dies würde

  • die Übersetzungsdauer verlängern,
  • die Qualität der übersetzten Texte vermindern und
  • die Übersetzungskosten erhöhen.

Mit einem Translation Memory  können also Qualität und Effizienz des Übersetzungsprozesses gesteigert und Kosten gesenkt werden, denn ein Satz muss kein zweites Mal übersetzt werden!

Welche Vorteile bietet ein Translation Memory?

Translation-Memory-Systeme übersetzen nicht selbst und nehmen den Übersetzern das Übersetzen nicht ab. Aber sie bringen viele Vorteile mit sich und sind deshalb nicht mehr aus der Welt von professionellen Übersetzern wegzudenken. Einige dieser Vorteile haben wir hier für Sie zusammengefasst:

Ein Translation Memory ….

  • … erlaubt die maximale Wiederverwendung bereits übersetzter Dokumente.
  • … ermöglicht stilistische und terminologische Konsistenz sowie höchste Qualitätssicherung.
  • … optimiert und beschleunigt den Übersetzungsprozess, sodass Sie Ihre Übersetzungen schneller erhalten.
  • … reduziert den für Übersetzer und Revisoren erforderlichen Zeit- und Kostenaufwand.
  • … sorgt dafür, dass kein Satz zwei Mal übersetzt (und bezahlt) werden muss.

Wie funktioniert ein Translation-Memory-System?

Im Translation-Memory-System (TMS) wird der zu übersetzende Ausgangstext in Segmente (wobei ein Segment meistens einem Satz entspricht) gegliedert und zusammen mit den zugehörigen Übersetzungen im Translation Memory (TM) gespeichert. Diese gespeicherten Daten dienen als Referenzmaterial für weitere Übersetzungen. Das heißt, unseren Übersetzern steht dieses Material bei gleichen oder ähnlichen Texten zur Wiederverwendung zur Verfügung.

Das Importieren und Exportieren von Dokumenten

Beim Importieren der zu übersetzenden Dokumente trennt das TMS die Format- und Layout-Informationen vom eigentlichen Text. Ausgangs- und Zieltext werden segmentweise in zwei Spalten nebeneinander angezeigt. Dies erleichtert die Übersicht und bringt den großen Vorteil mit sich, dass kein Satz bei der Übersetzung übersehen werden kann. Nach Abschluss der Übersetzung wird der übersetzte Text exportiert und mit den ursprünglichen Format- und Layoutinformationen wieder zusammengeführt. Man erhält also eine Übersetzung mit den gleichen Formatierungen wie im Ausgangstext. Abhängig vom Dateiformat (Word, InDesign, Online-Hilfen, usw.) kann jedoch durch die unterschiedliche Textlänge der Übersetzung ein mehr oder weniger großer Aufwand für Layoutarbeiten erforderlich sein.

Was geschieht beim Übersetzen?

Während des Übersetzungsvorgangs präsentiert das TM dem Fachübersetzer Vorschläge aus der Datenbank und zeigt gleichzeitig an, wie gut der Ausgangstext mit einem bereits übersetzten Segment im TM übereinstimmt – ein sogenanntes „Match“. Bei einem 100%-Match ist der Ausgangstext vollständig ident mit einem im TM gespeicherten Segment, und bei einem 101%- oder 102%-Match befindet sich der Satz sogar im selben Kontext. Bestehen zwischen dem zu übersetzenden Ausgangstextsegment und einem im TM enthaltenen Segment Abweichungen, so werden sogenannte „Fuzzy“-Matches angezeigt, die einen Match-Wert zwischen 50% und 99% aufweisen können. Je größer die Abweichung, desto niedriger ist der vom System errechnete Match-Wert. Werden Segmentpaare vom Übersetzer angepasst und bestätigt, so werden diese sofort ins TM aufgenommen und stehen für Folgeaufträge jederzeit zur Verfügung.

Screenshot eines Translation Memory in memoQ

Die Vorschläge vom Translation Memory werden rechts angezeigt, der Übersetzer kann per Tastenkombinationen den gewünschten Eintrag übernehmen.

Terminologiearbeit mit einem Translation-Memory-System

Die in einem Segment enthaltenen Wörter können zusätzlich gegen eine Terminologiedatenbank überprüft werden. Ist ein ausgangssprachliches Wort und dessen Übersetzung in dem geöffneten Segment in einer Terminologiedatenbank hinterlegt, so wird dies durch eine farbliche Markierung angezeigt und der Übersetzer sieht sofort, welches zielsprachliche Wort in der Übersetzung zu verwenden ist. Diese Funktion ist besonders bei der Vorgabe von Terminologie durch den Auftraggeber oder bei der Übersetzung von Online-Hilfen oder Software-Lokalisierung extrem wichtig. Auch andere essentielle Informationen wie verbotene Übersetzungen, Abkürzungen oder Definitionen von Termini können in das System eingearbeitet werden.

Qualitätskontrolle

Während und nach Abschluss der Übersetzungen bietet ein TMS viele Möglichkeiten für Qualitätskontrollen. Neben einer Rechtschreib- und Grammatikprüfung kann damit die Übersetzung auch auf formale Kriterien wie zielsprachlich korrekte Satzzeichen, Groß-/Kleinschreibung, Vollständigkeit, Längenbeschränkungen oder korrekte Zahlen überprüft werden. Diese Art der softwareunterstützten Qualitätskontrolle beschleunigt den Revisionsprozess und ermöglicht höchste Qualität.

Alles in allem…

Translation-Memory-Systeme wie beispielsweise von memoQ sind also ein wertvolles Werkzeug für bessere Qualität und niedrigere Kosten, und werden berechtigterweise sowohl von Auftraggebern als auch Übersetzern dafür sehr geschätzt. Für mehr Informationen zum Thema Kostensenkung und Qualitätssteigerung der Übersetzungsprozesse, lesen Sie doch hier weiter zum Thema Terminologiemanagement!

 

– Christina Rathmayer, MA