Ein Finger am Puls der Zeit – ein Resümee der GALA 2017 in Amsterdam

Man nehme eine dynamische Stadt, über 450 Vertreter der Übersetzungsindustrie, ein edles Hotel und man hat die Grundzutaten für eine spannende Konferenz. Mit einer äußerst emotionalen Keynote erzielte Thimon de Jong einen eindrucksvollen Einstieg in eine Konferenz, in der sich Übersetzungsbüros und weitere Vertreter der Übersetzungsindustrie fast vier Tage lang mit aktuellen Themen beschäftigen würden.

Der Digitalisierungs-Trend
Eines dieser aktuellen Themen in der Übersetzungsbranche und damit auch unvermeidbar ein Punkt auf der Konferenz ist der Einfluss der globalen Digitalisierung. De Jong zeichnete in seiner Keynote ein Bild davon, wie sich Konzepte wie Big Data und vollständige Automatisierung auf die tägliche Arbeit der Übersetzungsbüros schon in naher Zukunft auswirken könnten.

Mit dem zunehmenden Trend zur Automatisierung in verschiedensten Bereichen (man denke an Kühlschränke, die selbstständig Milch nachbestellen oder, auf unser Fach bezogen, an das automatisierte Crowdsourcing von Übersetzungen) wächst interessanterweise gleichermaßen auch unser Bedarf nach persönlicher Interaktion. Das könnte für uns bedeuten, dass Billig-Übersetzungen immer mehr zum Gebrauchsgegenstand werden, und dadurch sogar automatisiert werden müssen, um marktrelevant zu bleiben. Es heißt aber auch, dass qualitativ hochwertige Übersetzungen umso mehr den persönlichen Kontakt erfordern, zwischen Kunden, Übersetzungsbüro und Übersetzer.

Eine Chance für Übersetzungsbüros
Ist das eine gute Entwicklung? Ich glaube schon. Diese größer werdende Kluft zwischen Billig-Übersetzungen und qualitativ hochwertigen Fachübersetzungen ermöglicht es, ja erfordert es geradezu, dass Übersetzungsbüros und –verbände sich noch klarer positionieren und noch mehr in Qualität und persönliche Kontakte investieren.

Dieser Gedanke wird außerdem davon unterstützt, wie sich die Art, Vertrauen zu schenken, gesellschaftlich verändert. Nämlich weg von Institutionen wie Regierung, Konzernen und Universitäten hin zum Persönlichen, wie Nachbars Gurkengarten, dem Bäcker von nebenan oder dem Übersetzer unseres Vertrauens. Diese Veränderung stärkt wiederum die kleinen Übersetzungsbüros, da genau hier dieses persönliche Vertrauen gebildet wird.

David gegen Goliath – oder doch Platz für alle?
Und wie in einem äußerst unterhaltsamen Vortrag mit Analogien zur Unterwasserwelt gezeigt wurde, braucht das Ökosystem der Übersetzungsindustrie sowohl die kleinen Übersetzungsbüros, beispielsweise vertreten auf regionaler Ebene wie die Mitglieder der AATC, als auch die großen Kolosse, wie z.B. Lionbridge. Die Kleinen können nämlich etwas, das kein Großer schafft – sich in den ungewöhnlichsten Nischen etablieren. Und noch viel mehr, sogar kleine Übersetzungsbüros können die Rolle des Anführers übernehmen und ihre Kunden in „neue Gewässer“ führen, sprich, dabei unterstützen, die Kunden-Unternehmen noch erfolgreicher zu machen.

Für Kunden heißt das – nutzen Sie diese kompetente Ressource, die bereits an Ihrer Seite steht. Wir Übersetzungsbüros sind nicht nur Experten für Übersetzung, Terminologie und Kultur, sondern sehr oft auch für Marketing und neue Technologien! – Eva Reiterer, von MEINRAD.cc GmbH

Bist du Dolmetscher oder Übersetzer?

Kurze Aufklärungsarbeit für zwischendurch: Was ist der Unterschied zwischen Übersetzen und Dolmetschen?

Zu Beginn ist erst einmal festzuhalten, dass es überhaupt einen Unterschied gibt. Im Alltag werden diese Begriffe eher synonym verwendet oder vielleicht eher noch „Übersetzen“ als Bezeichnung für beide Tätigkeiten.

 

Tatsächlich ist dabei aber die Rede von zwei verschiedenen Tätigkeiten und Berufen (auch wenn es oft vorkommt, dass ein Dolmetscher zusätzlich als Übersetzer arbeitet), die in zwei verschiedenen Masterstudiengängen gelehrt und gelernt werden.

 

Dolmetschen findet in der Regel mündlich statt, das klassisch bekannte Bild davon beschreibt wohl den Konferenzdolmetscher, der simultan (gleichzeitig) einen Vortrag in seiner Kabine dolmetscht. Ebenso kann aber konsekutiv gedolmetscht werden, das heißt der Dolmetscher macht sich Notizen, während gesprochen wird, um anschließend in einer Redepause in die Zielsprache zu dolmetschen. Weitere Einsatzbereiche für Dolmetscher sind (neben „Wetten, dass…“) Krankenhäuser, Gerichtsverhandlungen, Asylämter, Bildungseinrichtungen…

 

Ein Übersetzer ist hingegen beim geschriebenen Wort zuhause. Er arbeitet mit Texten verschiedenster Art. Es kann sich um literarische Werke, Bedienungsanleitungen, Rechtstexte, Softwareoberflächen-Texte, Kochrezepte oder anderes handeln. Unter den Übersetzern finden sich zwei Berufstypen: der freiberufliche Übersetzer, der von zuhause aus bzw. in seinem eigenen Büro für verschiedene Kunden oder Übersetzungsagenturen arbeitet, oder zweitens der festangestellte oder auch „in-house“-Übersetzer, der nur für eine bestimmte Firma tätig ist.

 

Growing Together – Interaktiver Workshop zu Möglichkeiten bei und mit Übersetzungsagenturen

Unter dem Titel „Growing Together“ fand am 21. Jänner 2016 am Institut für Theoretische und Angewandte Translationswissenschaften (ITAT) in Graz ein interaktiver Workshop zum Thema Zusammenarbeit mit Übersetzungsagenturen statt. Gemeinsam mit Studierenden und Lehrenden des ITAT Graz setzte MEINRAD.cc als Vertreter der Austrian Association of Translation Companies (AATC) sich zum Ziel, herauszufinden, wie die AATC das ITAT und in weiterer Folge dessen Studierende tatkräftig beim Einstieg in die Berufswelt unterstützen kann.

Eröffnung eines ehrlichen Dialogs

Schon zu Beginn des etwa eineinhalb Stunden dauernden Workshops wurden die etwa 30 Teilnehmenden aktiv in das Programm mit eingebunden, indem sie anhand eines Brainstormings ihre eigenen Assoziationen zu Übersetzungsagenturen darlegen konnten. Vor allem negative Assoziationen wie „Ausbeuterisch“, „Preisdumping“, „Unbezahlte Praktika“ oder „Keine Chance als StudentIn” standen im Vordergrund, wobei schnell klar wurde, dass nicht nur die Meinungen über Übersetzungsagenturen stark auseinandergehen, sondern dass auch Unklarheiten über die Arbeiten und Aufgaben solcher Agenturen herrschen.

Das Ziel, eine ehrliche und offene Diskussionsgrundlage zu schaffen, wurde hiermit erreicht: Anhand der darauffolgenden spannenden Gespräche konnten bereits einige Inputs gesammelt werden, wie österreichische Übersetzungsagenturen besser mit Universitäten zusammenarbeiten und den Studierenden die Arbeit in einer Agentur näherbringen können.

„Verdient man in Übersetzungsagenturen wirklich weniger? Bekommt man eine Fixanstellung oder wird man nur gebraucht, wenn neue Aufträge anstehen? Kann man hier nur als Übersetzer arbeiten oder gibt es auch noch andere Aufgabenbereiche?“

Viele Fragen blieben offen, deren Beantwortung den Rahmen dieses Workshops gesprengt hätte, die jedoch das Interesse weckten, mehr über die Arbeit in einer Agentur zu erfahren. So wurden in einer zweiten Diskussionsrunde Ideen gesammelt, was unternommen werden kann, um die Zusammenarbeit zwischen den Studierenden und österreichischen Übersetzungsagenturen zu stärken. Die Ideen für eine bessere Zusammenarbeit waren vielfältig. Während sich beispielsweise einige Anwesende mehrere Workshops und Seminare wünschen, würden andere die Vernetzung zwischen Universitäten und Unternehmen anhand von gemeinsamen Plattformen (Foren, Websites etc.) begrüßen. Ganz großen Anklang fand auch die Anregung, den Studierenden anhand von Praktika, Informationsveranstaltungen oder auch einem Tag der offenen Tür den Einstieg ins Berufsleben zu erleichtern. Zu guter Letzt wurden noch einige Wünsche geäußert, außer den übersetzerischen Fähigkeiten auch noch weitere „Skills“ zu erlernen, die im Berufsleben von Bedeutung sind. Stichwörter wie Betriebsführung, Buchhaltung und Projektmanagement spielten hierbei eine Rolle.

Der Beginn einer vielversprechenden Zusammenarbeit

Der sehr aufschlussreiche und spannende Workshop endete schließlich mit der Erkenntnis, dass seitens der Studierenden großes Interesse an weiterführenden Aktivitäten dieser Art vorhanden ist. Nun gilt es, die Ergebnisse dieses Workshops aufzuarbeiten, einige an diesem Abend aufgetretene Fragen aufzugreifen und mit der Planung für weitere Veranstaltungen zu beginnen. Der erste Schritt zu einer Zusammenarbeit wurde getan und der Dialog zwischen den österreichischen Übersetzungsagenturen und Universitäten geöffnet.