Man nehme eine dynamische Stadt, über 450 Vertreter der Übersetzungsindustrie, ein edles Hotel und man hat die Grundzutaten für eine spannende Konferenz. Mit einer äußerst emotionalen Keynote erzielte Thimon de Jong einen eindrucksvollen Einstieg in eine Konferenz, in der sich Übersetzungsbüros und weitere Vertreter der Übersetzungsindustrie fast vier Tage lang mit aktuellen Themen beschäftigen würden.

 

Der Digitalisierungs-Trend

Eines dieser aktuellen Themen in der Übersetzungsbranche und damit auch unvermeidbar ein Punkt auf der Konferenz ist der Einfluss der globalen Digitalisierung. De Jong zeichnete in seiner Keynote ein Bild davon, wie sich Konzepte wie Big Data und vollständige Automatisierung auf die tägliche Arbeit der Übersetzungsbüros schon in naher Zukunft auswirken könnten.

Mit dem zunehmenden Trend zur Automatisierung in verschiedensten Bereichen (man denke an Kühlschränke, die selbstständig Milch nachbestellen oder, auf unser Fach bezogen, an das automatisierte Crowdsourcing von Übersetzungen) wächst interessanterweise gleichermaßen auch unser Bedarf nach persönlicher Interaktion. Das könnte für uns bedeuten, dass Billig-Übersetzungen immer mehr zum Gebrauchsgegenstand werden, und dadurch sogar automatisiert werden müssen, um marktrelevant zu bleiben. Es heißt aber auch, dass qualitativ hochwertige Übersetzungen umso mehr den persönlichen Kontakt erfordern, zwischen Kunden, Übersetzungsbüro und Übersetzer.

 

Eine Chance für Übersetzungsbüros

Ist das eine gute Entwicklung? Ich glaube schon. Diese größer werdende Kluft zwischen Billig-Übersetzungen und qualitativ hochwertigen Fachübersetzungen ermöglicht es, ja erfordert es geradezu, dass Übersetzungsbüros und –verbände sich noch klarer positionieren und noch mehr in Qualität und persönliche Kontakte investieren.

Dieser Gedanke wird außerdem davon unterstützt, wie sich die Art, Vertrauen zu schenken, gesellschaftlich verändert. Nämlich weg von Institutionen wie Regierung, Konzernen und Universitäten hin zum Persönlichen, wie Nachbars Gurkengarten, dem Bäcker von nebenan oder dem Übersetzer unseres Vertrauens. Diese Veränderung stärkt wiederum die kleinen Übersetzungsbüros, da genau hier dieses persönliche Vertrauen gebildet wird.

 

David gegen Goliath – oder doch Platz für alle?

Und wie in einem äußerst unterhaltsamen Vortrag mit Analogien zur Unterwasserwelt gezeigt wurde, braucht das Ökosystem der Übersetzungsindustrie sowohl die kleinen Übersetzungsbüros, beispielsweise vertreten auf regionaler Ebene wie die Mitglieder der AATC, als auch die großen Kolosse, wie z.B. Lionbridge. Die Kleinen können nämlich etwas, das kein Großer schafft – sich in den ungewöhnlichsten Nischen etablieren. Und noch viel mehr, sogar kleine Übersetzungsbüros können die Rolle des Anführers übernehmen und ihre Kunden in „neue Gewässer“ führen, sprich, dabei unterstützen, die Kunden-Unternehmen noch erfolgreicher zu machen.

Für Kunden heißt das – nutzen Sie diese kompetente Ressource, die bereits an Ihrer Seite steht. Wir Übersetzungsbüros sind nicht nur Experten für Übersetzung, Terminologie und Kultur, sondern sehr oft auch für Marketing und neue Technologien!

– Eva Reiterer, MSc; Business Development bei MEINRAD.cc GmbH

Share This